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Die Geschichte der Zusambühne Zusmarshausen

In Zusmarshausen hat Theater lange Tradition. Vor einigen Jahren, beim Stöbern nach Requisiten, fand der Verfasser auf dem Dachboden der katholischen Pfarrkirche bemalte Leinwände und Holzrahmen alter Theaterkulissen. Schon vor dem 2. Weltkrieg und auch danach spielte die Kolping-Familie heitere Schwänke und Lustspiele.
1982 fanden sich ein paar übriggebliebene Schauspieler, die Kolpingsfamilie hatte sich aufgelöst, das Kolpingshaus war abgerissen worden, im Sportheim zusammen, um die Tradition wiederaufleben zu lassen. Ich stieß auf kuriose Weise dazu. Nachdem ich einige Jahre das Schulspiel der Volksschule Zusmarshausen geleitet hatte, bat man mich um Ratschläge bei der Wiederauflebung der Theatertradition. Bei einer Zusammenkunft im Sportheim wurde mir das Manuskript unseres ersten Stückes unter die Nase gehalten und es hieß: nun fang mal an. Man nennt so etwas : jemanden ins kalte Wasser werfen. Gelockt wurde ich mit dem Hinweis: der Reinerlös komme der Jugend des TSV Zusmarshausen zugute. Das war ein überzeugendes Argument. Einige sehr geschickte Männer zauberten eine zerlegbare Bühne aus dem Boden. Um nur einige zu nennen : Hermann Kastner, Karl Böck, Engelbert Watzal, Karl Krebs. Dies war notwendig, weil in unserer 5000 Seelen Gemeinde bis heute weder ein Theater- noch ein anderer brauchbarer Saal für Kultur vorhanden ist. Deshalb spielen wir bis heute in einer Turnhalle, was für die Sportler und uns ein jährlich wiederkehrendes Ärgernis ist, das viel Energie, die wir für die Proben benötigen, verbraucht. Von Anfang an wollten wir unterhaltsames Theater darbieten, ohne unter eine bestimmte Schwelle zu geraten. So war es uns nach dem zweiten Dialektstück schon vergangen, immer wieder mit Kraftausdrücken herumzuwerfen und verlegten uns auf deutsche und englische Komödien ( siehe Stücke). Nach einigen Jahren war die Bühne zu klein und unsere fleißigen Handwerker bauten einen Meter tiefer und zwei Meter breiter. Bis heute sind sie jedes Jahr zur Stelle, wenn es wieder gilt, die "g´spinnerten" Ideen des Spielleiters umzusetzen.
Zur 1100 - Jahrfeier des Marktes Zusmarshausen wollten wir auch unseren Teil beitragen. Barbara Unverdorben, unsere erfahrendste Schauspielerin, schrieb dazu das passende Stück und schaute dabei dem Volk aufs Maul. Das war unsere Premiere als Freilufttheater im Forstamtshof. Ein paar Jahre später, zum 750 jährigen Markterhebungsjubiläum gab es noch einmal eine Uraufführung von Barbara Unverdorben am selben Ort. Beide Male waren wir mit der Resonanz sehr zufrieden. 17 Jahre sind vergangen. Viele lustige Begebenheiten haben uns in unserem gemeinsamen Hobby zu Lachen bzw. zum Weinen gebracht. Gleich in unserem ersten Stück fiel glücklicherweise zum passenden Zeitpunkt ein Geweih herunter, leider nicht beabsichtigt. Im Sündenbock (Der zerbrochene Krug) geriet unsere Hilde als Mutter einer verführten Tochter und als wirkliche Mutter zweier hübscher junger Damen so in Rage, dass sie gar nicht mehr aufhören konnte, mit dem Schirm den armen Karl zu malträtieren. Unsere Traudl musste 1987 als Vermieterin sehr die Zähne zusammenbeißen, hatte sie sich doch kurz vor der Premiere einen Zehen gebrochen und konnte deshalb nicht in Pömps, sondern nur in weichen rosa Hausschuhen die Gäste empfangen. Im nackten Wahnsinn fiel die Haushälterin gleich bei der ersten Aufführung mit dem Teller voll Sardinen so in die Bühne, dass dieser in tausend Stücke zersprang. So fielen 1995 im Sommer eine halbe Stunde vor der Aufführung zwei Schauspieler durch Krankheit aus. Kurzer Hand sprang die Autorin ein und in wenigen Minuten war aus ihr ein französischer Soldat geworden. Das Sofa, ein wichtiges Requisit in Boing - Boing, hatte viel zu leiden. Die Stewardessen sprangen den armen Joachim so heftig in die Arme, dass das Sofa bei einer der Proben sich in seine Bestandteile auflöste. 1996 wurde unser Salon in Montevideo von einem Papagei namens Kiki bereichert, der, je mehr das Publikum klatschte, sich höchst erfreut lauthals bemerkbar machte und sichtlich den Schlussapplaus auf der Schulter des Spielleiters genoss. Gefährlich wurde es im Wunibald. Eine holde Maid stürzte beim Verlassen der Bühne über ihr langes Kleid und stieß sich so heftig an einer Tischkante an, dass ein Transport ins Krankenhaus notwendig wurde. Ritter Wunibald focht so heftig, dass beinahe ein Finger hätte dran glauben müssen, die Blutspur über die Bühne war deutlich zu sehen. Unser bisheriger Höhepunkt war 1999. Unser Boandlkramer, Jürgen Sprenzinger, wurde 50, und er wünschte sich nochmals diese seine Lieblingsrolle zu spielen. Wir wurden mutig. Wir gingen auf Wanderschaft, andere sagen Tournee. Premiere war in der Stadthalle Dillingen, dann ging es in das wunderschöne Jugendstiltheater Kurhaus Göggingen in Augsburg, wo wir vor ausverkauftem Haus spielten. Von dort in unsere Theaterheimat in Zusmarshausen und im Frühjahr nochmals nach Augsburg in den Kolpingssaal. Glück und Leid liegen eng beieinander. Im Sommer 1999 traf es uns mit voller Wucht. Unser Helmut Gumpp mit seinen 30 Jahren Theatererfahrung starb kurz nach einer Operation. Noch im Krankenhaus hatte er angefangen, für die Saison 2000 seinen Text zu lernen. Seine letzte Rolle war der Pförtner im Brandner, der den Toten den Weg in den ewigen Frieden weist. Nun ging er selbst diesen Weg. Helmut wird immer zwischen uns auf der Bühne sein.

Hans-Peter Englbrecht (Spielleiter)

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